Biografie (Deutsch):

Wolfgang L. Diller aka Vincent23 (1954/ 1998)
Video / Installation / Malerei
Atelier: Domagkstr. 33 Haus 50 Raum 208

1980 Künstlergruppe "Frisch gestrichen" mit Detlef Seidensticker und Bernhard Springer

Seit 1983 Künstlerprojekte:
NEUE HEIMAT, TENDENZ & KLIMA, Commando d `art revolutionaire,
DREH DICH UM HERMANN, HighFlyer ClubTV & Slacker, Sklaven küsst man nicht.

Mitherausgeber des Fanzine "plastic indianer no. 1 - 21"

Organisation der Ausstellungen:
- Sklaven küßt man nicht 1990
- Videokunst in München 1992
- WRITERS CORNER 1994

Ende der 90iger starkes Desinteresse am Kunstbetrieb.

1994 - 2004 Langzeitdoku der Writerszene MUC/ Graff-Videozine AUGENDUSCHE.

Medienpädagogische Projekte, u. a.:
- Jugendkultur-TVmagazin CULTURE CLUB für den AFK MUC
- Multimediaworkshops (u. a. MVHS, BJR)
- pro 7 (Spielfilmredaktion).

Bibliografie: Horst Ludwig: "Vom Blauen Reiter zu Frisch gestrichen:
Malerei in München im 20. Jahrhundert" MUC 1997

Mit Friederike & Uwe bestehen einige Kooperationen mit Video (Space Tours 1+2).

 
 

Biografie (Englisch):

Wolfgang L. Diller aka Vincent23 (1954/ 1998)
Video / Installation / Painting
Atelier: Domagkstr. 33 Haus 50 Raum 208

1980 artist group "Frisch gestrichen" with Detlef Seidensticker and Bernhard Springer

Art projects since 1983:
- NEUE HEIMAT, TENDENZ & KLIMA, Commando d `art revolutionaire,
- DREH DICH UM HERMANN, HighFlyer ClubTV & Slacker, Sklaven küsst man nicht.

Co-publisher of the fanzine "plastic indianer no. 1 - 21"

Organized the following exhibitions:
- Sklaven küßt man nicht 1990
- Video art in Munich 1992
- WRITERS CORNER 1994

End of the 1990s: strong lack of interest in art-making.

1994 - 2004 long-term documentation of the writers' scene MUC/ Graff-Videozine AUGENDUSCHE.

Media pedagogical projects including:
- Youth culture TV magazine CULTURE CLUB for the AFK MUC
- Multimedia workshops ( MVHS, BJR)
- pro 7 ( film staff)

Bibliography: Horst Ludwig: "Vom Blauen Reiter zu Frisch gestrichen:
Malerei in München im 20. Jahrhundert" MUC 1997

Created several videos in cooperation with Friederike & Uwe (Space Tours 1+2).

 

Behind The Scenes
Zur Bilderarbeit von "Dynamic Lost Bilder`s"

Eins. Medienrealismus

Im Kontext der Malerei beginnt ungefähr Ende der 7Oer die  künstlerische Auseinandersetzung mit einer Aneignung der Welt und ihrer medialen Erzeugnisse & Ereignisse,  deutlich fokussiert auf die Bildmedien.
Das Interesse gilt weniger den Dingen, dem Material oder wie auch immer gearteten Selbstreferenzen, vielmehr dem Bewusstsein, und wie sich dieses verbreitet und verbreitet bzw. erzeugt wird.
In der Malerei entstehen zunächst Bilderserien, welche versuchen, komplexe Zusammenhänge "abzubilden".

Das Phänomen der massenhaften Vervielfältigung wird aufgenommen und umgesetzt mit den Techniken des Fotokopiergeräts (Copy/Art) und des Video, einer Bewegtbildaufnahmetechnik, welche nun handhabbar und bezahlbar wurde.
Erfahrungen mit dem kulturellen Milieu der Punk- und Hausbesetzerszene führen zu einem selbstbestimmten Gebrauch dieser Medien - Autonomedia.

Vor diesem Hintergrund ist die künstlerische Praxis bestimmt von einem permanenten Dialog zwischen den alten Medien (z. B. Malerei) und den neuen Medien (z. B. Xerox, Video oder auch Polaroid).

Beispiele:
Die Tendenz & Klima - Tapes sind autonome Künstlermedien zu Künstlerleben, Bilderarbeit und Heimat, die ich meinte.
Experimentelle Videoästhetik und Montagetechnik stehen hier formal im Vordergrund, inhaltlich werden konkret Entstehungsprozesse von gemalten Bildern gezeigt, welche wiederum im Installationszusammenhang eine wichtige Rolle für die Präsentation spielen.
In der Serie WASSER MARSCH basieren die gemalten Bilder auf einem Amateurvideo vom Tod des Demonstranten Rattey während einer Hausbesetzerdemo in Berlin (- ein frühes Beispiel für "Autonomedia"). Die Installation dieser Serie beschränkt sich auf eine Hängung der gemalten Bilder in einer Reihung, welche die Chronik der Ereignisse wiedergibt. Der mediale Ursprung (das Amateurvideo) bleibt zwar verborgen, jedoch erhält der Betrachter durch das formale Grundprinzip des (schwarzen) Monitorrahmens klare Hinweise auf die Herkunft der Malerei.

 

Das Videotape plastic indianer no. I5  verwendet als Basic-Footage großteils gemalte Bilder, welche mit videotechnischen Mitteln in Bewegung gesetzt werden:
(Stop-Motion-Animation).

Videoästhetische Experimente drängen sich geradezu auf, lässt doch das analoge Video der 8Oer - in der Zeit vor MTV - breiten Spielraum für teilweise direkte technische Eingriffe und recht kreative Verfremdungs- und Manipulationsmöglichkeiten (im Unterschied
zum Film).
Das ZEN - Haus
thematisiert noch I992 diese Vorgehensweise sehr anschaulich, ergänzt um sinnvoll plazierte Malereien auf einer symbolträchtigen Installationsform.

"As collage technic replaced oil-paint, the cathode ray tube will replace the canvas."
Nam June Paik I965

Bezogen auf Fluxus und die Nouveaux Realistes erscheint dieser berühmte Ausspruch Paiks logisch, und mit seiner Prophezeiung, dass die Projektionsfläche des Video einmal die Leinwand ablösen werde, wird er recht behalten. Noch sind ihm (und uns) die digitalen Möglichkeiten des Mediums Video nicht vorstellbar, die erst umfassende dialogische Bearbeitungen von Malerei und Video ermöglichen werden. Technische Neuerungen sind de facto weiterhin Auslöser künstlerischer Innovationen.
Video- und Audioinstallationen basieren auf einem Geflecht von wechselseitigen Beziehungen alter und neuer Medien - ein gemaltes Einzelbild aus dem Video Karussell etwa erscheint isoliert eher belanglos. Im Kontext der Installation funktioniert es perfekt.
Gleichzeitig erweitert die Rauminstallation das mediale Pseudo 3D - Erlebnis um eine sinnlich erfahrbare Wahrnehmungsqualität. Audioloops und Closed Circuit Video werden kombiniert mit Bewegung/ Drehung, Malereien, Textfragmenten, Spiegeln und weiteren sinnvollen Materialien.
Das symbol- und emotionsbeladene funktionale DING  Karussell erfährt eine künstlerische Umsetzung, welche über die bloße Geste des Ready-Made weit hinausgeht. Der Künstler bestimmt nun die Wirkung auf den Betrachter/ Benutzer und so schließt sich der Kreis hin zu den Autonomedia.

Es handelt sich hierbei um eine künstlerische Strategie, die vom Anfang der 8Oer bis zum Beginn der 9Oer Jahre und weiter funktioniert hat, gleichwohl aber erst in der Rückschau wesentlich reflektiert worden ist.

 

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>> Drei. Vom Consumer zum Producer >>

 >> Vier. Vom Videofilm zur Videodatei >>

>> Fünf. Vom “Kunstwerk” zu “Framez” >>